AT: Wien: Kirchen gedachten der Opfer der Novemberpogrome 1938

800px Juedischer Friedhof Berlin mitte AT: Wien: Kirchen gedachten der Opfer der Novemberpogrome 1938

Skulptur “Jüdische Opfer des Faschismus” auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Mitte. CC/Wikimedia/Achim Raschka

Das Bekenntnis zum Widerstand gegen jede Form von Antijudaismus und andere Formen von Rassismus ist am Mittwochabend im Mittelpunkt des ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Wiener Ruprechtskirche anlässlich der Novemberpogrome 1938 gestanden. Der evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair lenkte den Blick in seinen Gedenkworten auf Jerusalem. Die konkrete Stadt sei zerrissen von Feindseligkeiten zwischen Israelis und Palästinensern. “Wir spüren die verfahrene Situation und leiden ein Stück mit, erleben die vernichtenden Mängel politischer Bestrebungen und wissen es auch nicht besser”, so Schiefermair wörtlich.

Zugleich sei Jerusalem der biblische Ort der Hoffnungen und Sehnsüchte nach einem friedlichen Zusammenleben und Gottes Nähe. Im Wissen und der Hoffnung darauf brauche es ein entschiedenes Auftreten gegen jede Form von ethnischer, religiöser oder kultureller Ausgrenzung sowie die tatkräftige Unterstützung der Opfer von gewalttätigen Regimen, betonte der Oberkirchenrat

Jesuiten-Provinzial P. Gernot Wisser erinnerte an den vor wenigen Tagen verstorbenen Publizisten Paul Schulmeister. Dieser habe in seinem letzten veröffentlichten Kommentar in der Tageszeitung “Die Presse” eindringlich davor gewarnt, dass die Erinnerung an die Shoa und der Einsatz gegen Antisemitismus kraftlos werden. Man werde die Warnung ernst nehmen und im Sinne Schulmeisters wachsam bleiben, so Wisser.

Im Rahmen des Gottesdienstes wurde auch daran erinnert, dass es vor den Novemberpogromen 1938 22 Synagogen in Wien gab, nur eine wurde damals nicht verwüstet und zerstört. Auch rund 20 Bethäuser fielen den Ausschreitungen zum Opfer.

In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938, die noch immer auch unter dem Nazi-Ausdruck “Reichskristallnacht” bekannt ist, wurden im gesamten deutschen Machtbereich Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte sowie Wohnungen geplündert und verwüstet. Zahlreiche Juden wurden bei den Pogromen getötet oder verletzt.

Im Anschluss an den Gottesdienst zogen die rund 200 Teilnehmer in einem Schweigemarsch zum Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoa auf dem Judenplatz.

Der Gedenkgottesdienst fand im Rahmen der Bedenkwoche “Mechaye Hametim – Der die Toten auferweckt” statt, die von mehreren kirchlichen und jüdischen Organisationen gemeinsam organisiert wird. In Erinnerung an die Ereignisse vor 73 Jahren finden seit 26. Oktober und noch bis 15. November zahlreiche Veranstaltungen statt.