AT: Ökumene: Einsatz für gerechte Welt verbindet

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In Wien fand die Podiumsdiskussion "Chancen für die Ökumene heute" statt. CC/Herr P.

Der Einsatz für eine gerechte Welt und für den Schutz jener Menschen, die “unter die Räder kommen”, verbindet die Kirchen. Das hat der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker im Rahmen der Podiumsdiskussion “Chancen für die Ökumene heute” Donnerstagabend im Wiener Don Bosco-Haus erklärt. Ein Grundsatz für “alles Ökumenische” sei, “wenn jede Kirche für sich erkennt: Wir haben nicht alles, wir brauchen die anderen, um zumindest ansatzweise etwas von dem sichtbar zu machen, was wir Katholizität nennen – die Allgemeinheit, zu dem sich alle Kirchen im Glaubensbekenntnis bekennen.”

Als “Avantgarde der Ökumene” bezeichnete der lutherische Bischof den Religionsunterricht: “Der Religionsunterricht gerade in Österreich gewährleistet, dass Kinder in den Schulen ein Miteinander der Kirchen und Religionen erleben”, so Bünker. “Ich setze mich vehement dafür ein, dass das verstärkt und nicht etwa abgeschafft wird.”

Bünker erinnerte weiters an das Ökumenische Sozialwort: Es sei auch heute nach wie vor eine “brandaktuelle Orientierungshilfe”. Im Zweiten Vatikanischen Konzil habe die Römisch-katholische Kirche einer Rückkehrökumene eine klare Absage erteilt, in Österreich habe Kardinal Franz König die Römisch-katholische Kirche für die Ökumene geöffnet. Heute versuche der Ökumenische Rat der Kirchen, “das Miteinander der Kirchen mit Leben zu erfüllen”, sagte der Bischof. Die Zulassung zur Eucharistie sei vor allem für gemischt-konfessionelle Paare ein “dringendes Anliegen”.

“Sind unserer Trennungen müde”

Der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Bischofsvikar Nicolae Dura, betonte beim Podiumsgespräch, die Einheit der Kirchen sei ein Geschenk Gottes, aber Ökumene brauche auch menschliche Bemühungen. Der Bischofsvikar betonte “Einheit suchen und Vielfalt bewahren” als vorrangiges Motto.

Weiters appellierte Dura für einen “geistlichen Ökumenismus”: “Wir sind unserer Trennungen müde”, es gehe darum, “Zeugnis zu geben ohne Konkurrenzdenken”, so der Bischofsvikar. Die Kirchliche Pädagogischen Hochschule Wien/Krems, die gemeinsam von den Kirchen geführt wird, bezeichnete er als “Vorbild für die Ökumene”.

“Ökumene existiert nur im Kopf”

“Ich muss leider sagen: Ökumene existiert nur im Kopf. Eine Ökumene im Herzen, wie es Jesus von uns fordert, werde ich vielleicht nicht mehr erleben”, meinte der altkatholische Bischof John Okoro. Bisher sei es ihm nicht gelungen, einen römisch-katholischen Bischof einzuladen, damit dieser “bei uns predigt”, so Okoro. “Ich spüre die Berührungsängste, obwohl unsere christliche Ausstattung dieselbe ist.”

“Solange wir nicht ganzheitlich denken, bleiben unsere Bemühungen für die Ökumene umsonst und die Gespaltenheit bestehen”, erklärte der altkatholische Bischof. Es sei schwer, über Ökumene zu reden, wenn die “Grundstruktur des Denkens von Doktrinen gesteuert” sei und immer wieder nach dem Trennenden statt dem Verbindenden gesucht werde.

Okoro: “Ökumene verlangt von uns eine Ehrlichkeit ohne Ängste, eine Ehrlichkeit des Herzens.” Angesichts der mitunter verletzenden Situationen, wenn Menschen von der Abendmahlsgemeinschaft ausgeschlossen werden, fragte er: “Hat Jesus so kompliziert gedacht?”

“Mensch steht im Vordergrund”

“Der Mensch steht im Vordergrund einer jeden Ökumene”, betonte der römisch-katholische Bischofsvikar Dariusz Schutzki beim Podiumsgespräch. Es gehe darum, jenen Menschen “Heimat zu geben, die religiös obdachlos geworden sind”. Die Frage sei, “was können wir diesen Menschen heute anbieten und wie tun wir es”, meinte der Bischofsvikar.

Schutzki: “Wie schaffen wir es, dass die Menschen bei uns andocken und die Spuren Gottes in ihrem Leben und Schicksal aufzuzeigen?”

Generell sei man “auf einem gewaltigen Weg”, erklärte der römisch-katholische Bischofsvikar mit Blick auf die Situation der Ökumene. “Wir haben auf diesem Weg bereits viel voneinander gelernt. Es ist ein Prozess und auch in der Mitte dieses Prozesses dürfen wir den Menschen nicht verlieren.”

Gedenken an Christen im Nahen Osten

Helene Hornich, Leiterin des “Ökumenekreis 13″, lud zum Ende der Veranstaltung zu einer Gedenkminute für die Christen im Nahen Osten ein. Der “Ökumenekreis 13″ hatte das Podiumsgespräch veranstaltet.