AT: Wien: “Gemeinsame Zeugnis der Kirchen wird zunehmend wichtiger”

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Im Wiener Rathaus wurden die Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien verliehen. CC/Cha già José

Caritasdirektor Michael Landau und Diakoniedirektor Michael Chalupka sind mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien ausgezeichnet worden. Wiens Bürgermeister Michael Häupl würdigte bei der Verleihung am Mittwochvormittag im Rathaus, dass Caritas und Diakonie in vielen Bereichen einen unverzichtbaren Beitrag für die Menschen in der Bundeshauptstadt leisten würden. Neben ihren sozialen Leistungen stünden die beiden kirchliche Organisationen auch für eine “Haltung des Miteinanders”. Er sei auch dankbar dafür, so Häupl, dass Caritas und Diakonie immer wieder die Stimme erheben, um gegen Aufhetzung von Menschen aufzutreten.

Positiv hoben sowohl Landau als auch Chalupka hervor, dass sie als Vertreter einer katholischen bzw. evangelischen Hilfsorganisation gemeinsam geehrt würden. Er sei überzeugt, so Landau, “dass das gemeinsame Zeugnis der Kirchen zunehmend wichtiger wird, nicht zuletzt die gemeinsame Botschaft, dass der Einsatz für Gott und der Einsatz für die Menschen untrennbar zusammen gehören.” Gemeinsam gelte es, die die Ursachen der Übel zu bekämpfen und nicht nur die Symptome.

Caritasdirektor Landau mahnte in seiner Dankesrede, dass der Sozialstaat kein “beliebig verschlankbares Anhängsel zur Wirtschaft” sei, “sondern ein notwendiger Ausdruck für die Würde des Menschen, eine Investition in den sozialen Zusammenhalt, in den sozialen Frieden”. Eine reine Spardebatte angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftskrise greife zu kurz: “Es geht zuerst und zuletzt um die Frage der Ziele, der Prioritäten, des Menschenbilds und daher um die Erfordernisse von Fairness und Gerechtigkeit. Ich hoffe, dass Wien das auch in Zukunft leben und deutlich machen wird.”

Als besonders dringlich erachtete der Caritasdirektor Zukunftsperspektiven für Kinder und Jugendliche und neue Visionen in der Politik. “Aus meiner Sicht braucht es dringend so etwas wie eine Repolitisierung der Politik, gerade angesichts der Skandale und des Nicht-mehr-Glaubens an demokratisch gewählte Volksvertreter”, so Landau wörtlich. In Zeiten der Krise wären Zukunftsvisionen für viele Menschen klare und positive Anhaltspunkte, um diese Zukunft auch mitzugestalten.

Diakoniedirektor Chalupka sah die Hauptaufgabe seiner Organisation darin, “dort modellhaft Projekte zu realisieren”, wo es soziale und gesellschaftliche Lücken gibt. Das sei beispielsweise mit dem sozialmedizinischen Zentrum “Amber-Med” der Fall, wo nicht versicherte Personen medizinisch betreut sind. Eine Vorreiterrolle versuche man auch im Bereich der Pflege zu spielen, so Chalupka: “Die Gesellschaft trägt Verantwortung auch für jene Mitglieder, deren Kräfte nachlassen.” Selbiges Prinzip der Verantwortung gelte auch gegenüber Flüchtlingen, die Schutz in Österreich suchen.

An dem Festakt im Wiener Rathaus nahmen u.a. auch Weihbischof Helmut Krätzl, der lutherische Bischof Michael Bünker, der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, der methodistische Landessuperintendent Lothar Pöll und der Wiener lutherische Superintendent Hansjörg Lein teil. Michael Bubik, Geschäftsführer der Flüchtlings- und Katastrophenhilfe der evangelischen Diakonie, wurde mit dem Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien ausgezeichnet.