D: Wir brauchen eine Ökumene des Respekts

Schneider Ludorff D: Wir brauchen eine Ökumene des Respekts

Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff, Präsidentin des Evangelischen Bundes. Bild: Augustana-Hochschule Neuendettelsau.

Die Präsidentin des Evangelischen Bundes im Interview zum Besuch des Papstes in Deutschland

Frau Schneider-Ludorff, was erwarten Sie sich vom Besuch des Papstes in Deutschland?

Zunächst können wir uns als Protestantinnen und Protestanten mitfreuen, wenn die römisch-katholischen Geschwister nach Kräften feiern. Wenn sich viele tausend Menschen treffen, um miteinander zu beten und sich als Christinnen und Christen zu begegnen, dann kann die erste Reaktion nicht Ablehnung sein.

Und die zweite Reaktion?

Auf den zweiten Blick darf man wohl schon einen differenzierteren Blick auf das zu erwartende Spektakel werfen. Als Kirchenhistorikerin atme ich auch schon mal auf, dass die Trennung von Thron und Altar jedenfalls im deutschen Protestantismus seit 1919 so klar und endgültig war und eine Perspektivenvermischung von staatlichem und religiösem Auftritt bei uns nicht als Problem entsteht.

Ist denn der Papst in der Anrede der evangelischen Bischöfe ein „Bruder in Christus“ oder „Eure Heiligkeit“?

Diese Frage interessiert wohl vor allem die Presse. Ein „Bruder in Christus“ ist er doch unbestreitbar für uns alle. Ob er sich freilich selbst öffentlich als Amtsbruder bezeichnet, wird interessant. Insgesamt kann man das aber gelassen verfolgen. Wir haben doch auch keine Probleme, andere geistliche Oberhäupter mit ihren Titeln anzureden – das ist keine Frage des Bekenntnisses, sondern des Respekts.

In Ihrer Einführungspredigt als Präsidentin des Evangelischen Bundes haben Sie vor zweieinhalb Jahren eine „Ökumene des Respekts und der Anerkennung“ eingefordert. Das bleibt Ihr Weg?

Eine „Ökumene des Respekts“ ist sicherlich der Königsweg einer selbstbewussten und doch entspannten ökumenischen Begegnung. Die große Euphorie der 1970er und 80er Jahre ist sicherlich dahin, aber uns ist der Respekt voreinander geblieben und der Dank für viel gemeinsam Erreichtes in der Ökumene. Angesichts der Herausforderungen der christlichen Kirchen in der Moderne sind wir auf ein glaubwürdiges, gemeinsames Zeugnis angewiesen. Das beginnt im Respekt des Anderen, der ja wie wir Teil der einen Kirche Jesu Christi ist.

Material
Interview als Vorabzug aus: Evangelische Orientierung 2011-03, S. 18.

Am 21.09.2011 erscheint die Zeitschrift Evangelische Orientierung 2011-03 mit dem Schwerpunkt „Deutschland trifft den Papst“. Mit Beiträgen von Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber (lutherisch), Bischof Dr. Matthias Ring (altkatholisch), Synodalpräsidentin Margit Fleckenstein (uniert), Bischöfin Rosemarie Wenner (methodistisch), Metropolit Augoustinos (orthodox), Generalsekretärin Regina Claas (baptistisch), u.a.