RUS/D: Versöhnung mit Osteuropa und Bewahrung der Schöpfung

800px Chernobylreactor 1 RUS/D: Versöhnung mit Osteuropa und Bewahrung der Schöpfung

Tschernobyl-Reaktor 4 mit “Sakopharg”, 2006. CC/Wikimedia/Carl Montgomery

Tschernobyl 1986: Zeitzeuge Igor Pysmenskyi zu Gast im Landeskirchenamt

26. April 1986: Super-GAU im Atomkraftwerk Tschernobyl. Aus der Luft wird versucht, den Brand zu bekämpfen. Igor Pysmenskyi ist einer der Hubschrauberpiloten, die zehn Tage lang von früh bis spät im Einsatz sind. Heute engagiert er sich gegen die gefährliche Technologie. In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Bildungs- und Begegnungszentrum (IBB) Dortmund war er als Zeitzeuge unterwegs und hat die Ausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl“ begleitet. Bei einem Besuch in Bielefeld dankte ihm Vizepräsident Albert Henz im Namen der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW).

Seit 1986 hat sich die EKvW mehrfach und eindeutig gegen Atomenergie positioniert, zuletzt im November 2010. Die Solidaritätsbewegung Tschernobyl wird von der westfälischen Landeskirche aus zwei Gründen unterstützt: „Es geht um die Versöhnung mit den Völkern Osteuropas, und es geht um die Bewahrung der Schöpfung“, erläutert Pfarrer Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer des IBB.

Igor Pysmenskyi war zum Zeitpunkt der Katastrophe 24 Jahre alt. Als Soldat der Sowjetarmee war er einer von insgesamt 800.000 sogenannten Liquidatoren, die zwischen 1986 und 1989 eingesetzt wurden, um den Super-GAU einzudämmen. Aus zweihundert Metern Höhe über dem brennenden Reaktor warf er von seinem Hubschrauber Säcke mit Sand und Blei ab, insgesamt waren es fünftausend Tonnen.

92 Prozent der Liquidatoren sind nach seinen Angaben krank oder bereits gestorben. Auch Pysmenskyi musste mit 37 Jahren in Frührente gehen. Heute kämpft er mit anderen Invaliden um Anerkennung und Geld. Igor Pysmenskyi äußerte sich beeindruckt über das Interesse der Menschen in Deutschland am Thema. Die Ausstellung war in der ersten Jahreshälfte 2011 in 37 Städten zu sehen, auch in Österreich und den Niederlanden. „Nach Tschernobyl und Fukushima kann man nicht mehr gleichgültig sein. Wir versuchen, die Welt ein Stückchen zum Guten zu verändern“, sagte er im Gespräch mit Albert Henz. Nun soll die Ausstellung ins Russische übersetzt und dann auch in Belarus und der Ukraine gezeigt werden, ergänzt um das Thema der erneuerbaren Energien. Partner sind dabei die orthodoxen Kirchen, zu denen die EKvW Beziehungen pflegt. Pysmenskyi: „Auch heute noch sind in diesen Ländern viele völlig uninformiert über die Risiken der Kernenergie.“