D: „Geld ist Lebens-Mittel, nicht Lebens-Mitte“

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Foto: EKVW/Reinhard Elbracht/www.ekvw.de

Präses Alfred Buß warnt vor Herrschaft des Finanzkapitals

BIELEFELD/WESTFALEN – Der westfälische Präses Alfred Buß hat davor gewarnt, dass Wirtschaft und Finanzverkehr zum Selbstzweck werden. „Alles Wirtschaften steht im Dienst des Lebens“, sagte der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen am Freitag (20.12.) bei einer Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen in Bielefeld.

Geld werde zum Mammon, zum Götzen, wenn es nicht mehr zur Lebenssicherung dient, „nicht mehr Lebens-Mittel ist, sondern zur Lebens-Mitte wird, zum ersten und letzten Gedanken, zum ausschlaggebenden Argument.“ Das global fließende Finanzkapital sei allzu oft von den realen Werten völlig abgetrennt. Blitzschnelle Entscheidungen an den Börsen würden ohne Kenntnis der dahinter stehenden Produkte getroffen und erst Recht ohne Kenntnis der Menschen, die davon betroffen sind.

„Im Crash stellte sich dann heraus: Viele Finanzprodukte waren auch für erfahrene Anleger und Banker undurchschaubar. Doch die Aussicht auf hohe Rendite stachelte die Gier in den Herzen an und vernebelte sonst kühlen Rechnern die Sinne.“ Dann habe sich gezeigt, dass hinter den Aktien überhaupt keine tatsächlichen Werte vorhanden waren. Buß: „So wurde Geld verbrannt, wurde es selbst in unserer hochtechnisierten und rationalen Welt zum Fraß der Motten.“

Zwar funktioniere kein Wirtschaftssystem und auch kein kirchlicher Haushalt ohne flexiblen Geldfluss. Doch Spekulationen dürfen nach Überzeugung des Theologen nicht über das Leben herrschen. So gehöre der Handel mit Nahrungsmitteln nicht an die Börse: „Im Markt tummeln sich immer mehr, die gar nicht an einer wirklichen Getreidelieferung interessiert sind, nur an der Gewinnmitnahme.“ Auch der verstärkte Anbau von Energiepflanzen in tropischen Ländern gehe zu Lasten der Armen: „Es geht um Teller oder Tank, um Nahrung oder Sprit, um nacktes Überleben in den armen oder Bequemlichkeit in den reichen Ländern.“