D: Pfalz: Kirchen mahnen würdige Bestattungsformen für sozial Schwache an

Kirchenpräsident Christian Schad, Evangelische Kirche der Pfalz, www.evkirchepfalz.de

Leitungsgremien von Bistum und Landeskirche trafen sich zum Spitzengespräch

Speyer (is/lk). Würdige Formen von Sozialbestattungen mahnten am Dienstag Bischof Karl-Heinz Wiesemann und Kirchenpräsident Christian Schad an. Bei ihrem jährlichen Kontaktgespräch in Speyer kritisierten die Leitungsgremien des Bistums Speyer und der Evangelischen Kirche der Pfalz, dass mancherorts für die Sozialämter bei der Beerdigung mittellos verstorbener Menschen nur noch der Kostenfaktor ausschlaggebend sei.

Bei dem Treffen verdeutlichte Professor Winfried Haunerland, Liturgiewissenschaftler an der Universität München, den tiefgreifenden Wandel in der Bestattungskultur in Gesellschaft und Kirche. Unter anderem verwies er auf den Trend zu anonymen Bestattungen, die in manchen Großstädten schon einen Anteil von 30 Prozent erreichten. Ebenso seien statt der Friedhöfe immer mehr alternative „Endstationen“ gefragt. So seien Friedwälder und Ruheforste inzwischen zum „Klassiker” geworden. In Deutschland gebe es mittlerweile mindestens hundert Begräbniswälder.

Neben den Kirchen habe sich ein großer Markt von freien Ritenanbietern und Trauerrednern entwickelt. Auch eine zunehmende Privatisierung der Bestattung, die beispielsweise in privaten Trauerräumen bei den Bestattern oder in individuellen Inszenierungen des Begräbnisses ihren Ausdruck finde, sei zu beobachten. Die Kirchen, so Haunerland, sollten auf diese Trends nicht nur reagieren, sondern ihr eigenes Angebot profilieren. „Wir haben eine jahrhundertelange Erfahrung, die uns fähig machen müsste, die Bestattungskultur aktiv mitzugestalten.“

Die Kirchenvertreter diskutierten bei dem Treffen, wie Kirchengemeinden mit eigenen Beiträgen würdige Bestattungsformen für sozial Schwache ermöglichen könnten. So stellten sie die Frage, ob die Kirchen nicht mehr eigene Begräbnisstätten etwa in Form kirchlicher Friedhöfe anbieten sollten. Auch bei der Pflege von Sozialbestattungsfeldern könnten sich Gemeinden engagieren. Ebenso müssten die Kirchen darauf hinwirken, dass Menschen in Krankenhäusern und Altenheimen würdig sterben und dabei seelsorgliche Begleitung erfahren können. Konkret wurde auch auf die Wichtigkeit von Räumen hingewiesen, in denen Angehörige von ihren Verstorbenen Abschied nehmen können.