Welt/D: Flaute in Rio

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Demonstration in Rio around the UNCSD, Rio+20. CC/flickr/Lucas Wirl.

Bewegung für nachhaltige Entwicklung muss von unten kommen

Die evangelischen Hilfswerke “Brot für die Welt” und Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) haben das Ergebnis der Rio+20-Konferenz kritisiert. Die Abschlusserklärung bedeute keinen Rückenwind im Kampf gegen Armut, Hunger und Umweltzerstörung. Politischer Druck für Veränderung müsse ab jetzt noch stärker von der Zivilgesellschaft weltweit ausgehen, nur so sei das notwendige soziale, ökologische und wirtschaftliche Umsteuern zu erreichen.

“Wer Selbstverpflichtungen zu konkreten Schritten des Umsteuerns oder mindestens ein Aufbruchssignal erhoffte, wurde jäh enttäuscht”, bilanziert Cornelia Füllkrug-Weitzel. “Weder die Armen noch die künftigen Generationen standen in Rio jemals im Mittelpunkt”, so die Direktorin von “Brot für die Welt”. Wenn jedes Land seine kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen verteidige und erst danach schaue, was für die Umwelt und die Armen noch übrig bleibt, “dann ist das unter dem Strich ein gewaltiges Versagen der globalen politischen und wirtschaftlichen Eliten: als könne man angesichts der massiven Folgewirkungen eigenen wirtschaftlichen Handelns heute noch Politik rein national und auf die Gegenwart bezogen betreiben!”

Web: Blog von Brot für die Welt und EED

“Brot für die Welt” und EED fordern die Bundesregierung auf, als Konsequenz aus Rio  künftig mit Nachdruck die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen und Bedürfnisse der Ärmsten in den Blick zu nehmen. Deutschland müsse zum Vorreiter für eine global nachhaltige Entwicklung werden. Die Kanzlerin müsse dies zur Chefsache machen. EED-Vorstand Claudia Warning: “Wenn wir ernsthaft ein gutes Leben für alle innerhalb der ökologischen Grenzen ermöglichen wollen, darf die Politik in Deutschland und Europa nicht länger allein unser Wirtschaftswachstum und unsere Wettbewerbsfähigkeit an die erste Stelle setzen. Das ist kurzfristiges Denken und wird auf Dauer uns allen schaden.”

Das magere Ergebnis von Rio liefert aus Sicht der Hilfswerke jedoch keinen Anlass zur Entmutigung. “Was die große Weltpolitik nicht schafft, entsteht bereits an der Basis. Die Gesellschaft muss weiterhin Druck ausüben, damit die Politik sich bewegt. Energiewende in Deutschland, das Erreichen der Millenniumsziele und der Kampf gegen globale Ungerechtigkeit – das sind Aufgaben, die wir nicht einfach liegen lassen werden, nur weil die globale Konferenzdiplomatie wieder einmal auf der Stelle tritt”, sagt Claudia Warning.

Und Cornelia Füllkrug-Weitzel betont: “In den nächsten Jahren müssen nachhaltige Entwicklungsziele für alle Länder bestimmt werden. Dazu werden wir mit unseren Partnern beitragen. Die Bundesregierung fordern wir auf, Transformationsprozesse in Entwicklungsländern deutlich stärker zu unterstützen.”