HU: Ehrendoktowürde für Rudolf Keller, István Gémes und Sándor Szokolay

Beim Dies Academicus wurde dem Kirchengeschichtler Prof. Dr. Rudolf Keller, Pfarrer István Gémes
und dem Musiker Sándor Szokolay die Ehrendoktorwürde der Evangelisch-Lutherischen
Theologischen Universität in Budapest zuteil.

Dr. Rudolf Keller lehrt seit 1997 als Privatdozent und seit 2006 als außerplanmäßiger Professor
Kirchengeschichte an der Universität Regensburg. Zudem ist seine Laufbahn eng mit dem Martin-
Luther-Bund verknüpft, zu dessen Vizepräsident er 2009 gewählt wurde. Diese Arbeit beim Martin-
Luther-Bund erweitere auch den Horizont des Wissenschaftlers: „Meine Begegnungen mit so vielen
Stipendiaten und Fachkollegen aus dem Ausland öffneten mir die Augen immer weiter dafür, dass eine nur binnendeutsche Sicht auf die Reformation nicht genügt. Dadurch fand ich zunehmend Freude daran, die Themen der Reformationsgeschichte auch über viele Grenzen hinweg zu beleuchten“, so Keller bei der Festlichkeit am 24. Februar. „Ich habe es immer geschätzt, wie auch in Ungarn Wissenschaft und praktisches Pfarramt nicht total verschiedene Bereiche sind.“ Die Verbindung von beidem gehöre auch zu seinem Weg, so Rudolf Keller in seiner Rede in Budapest.

Sein Blick reichte indes immer auch nach Ungarn: Zuletzt war er im Oktober 2005 in Budapest mit einem Vortrag über „Maria von Ungarn und Luther“ zu Gast.

Bezugnehmend auf Kellers Doktorarbeit über Matthias Flacius und seine Habilitation über David
Chytraeus bemerkte Prof. Dr. Zoltán Csepregi in seiner Laudatio: „Wollte ich Rudolf Kellers
Arbeitsweise kurz charakterisieren oder ihre wissenschaftlichen Ergebnisse beurteilen, so kann ich
sagen, dass das aufmerksame Wieder-Lesen altbekannter Texte immer fruchtbar ist, besonders, wenn diese altbekannten Texte schon lange niemand mehr in die Hand nahm.“

István Gémes verließ 1956 – drei Jahre nach seiner Ordination – Ungarn und war anschließend als
Seelsorger von Ungarn tätig, die nach Dänemark und Südschweden geflohen waren. Auf der Konferenz des LWB im Jahr 1957 wurde er nach Venezuela und Brasilien entsandt, wo er die ungarische lutherische Gemeinde in Brasilien aufbaute. Nach dem Dienst in der Evangelischen Landeskirche Hannovers und an der Universität Göttingen war er 17 Jahre lang als Pfarrer der (deutschen) Gemeinde in Stuttgart-Bad Cannstatt tätig. Zudem wurde er Seelsorger der im Raum Stuttgart lebenden Ungarn.

Pfarrer Gémes habe, so Bischof Dr. Tamás Fabiny in seiner Laudatio, den außerhalb der Landesgrenzen lebenden ungarischen Pfarrern stets geholfen. Zugleich habe er aus seiner Kritik gegenüber der „Diakonischen Theologie“ und den Zuständen in der ELKU während des Kommunismus nie einen Hehl gemacht. Zahlreiche Monografien und Artikel in ungarischer, deutscher und portugiesischer Sprache – häufig zu neutestamentlichen Themen, wie etwa zur Jesus- und Paulusforschung – hat István Gémes bislang veröffentlicht.

Der Dritte im Bunde derer, denen die Ehrendoktorwürde verliehen wurde, ist der Komponist Sándor
Szokolay, der an der Musikakademie in Budapest lehrte. Zahlreiche Werke – darunter ebenso
Instrumentalwerke wie Oratorien und andere Vokalwerke – und etliche Preise zieren seine Laufbahn.

Exemplarisch sei genannt, dass allein seine erste Oper „Vérnász“ (Bluthochzeit) an 20 Opernhäuser in mehr als einem Dutzend Sprachen zur Aufführung gebracht wurde.

Ein konkretes Beispiel für seine lutherische Identität ist sein Wirken als – wie er es einmal selbst sagte – „Haus- und Hofkomponist“ des Chors und Orchesters Lutheránia.

„Wenn wir nun sein Gesamtwerk mit der Ehrendoktorwürde würdigen, dann verkündigen diese
feierlichen Minuten auch heute die sich gegenseitige bereichernde Verbindung von Theologie und Kunst und deren belebende, Glauben weckende und inspirative Kraft“, so Prof. Dr. Lajos Szabó in seiner Laudatio auf Sándor Szokolay.


Deutschsprachiger Nachrichtendienst der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn
3. Jahrgang, 2. Ausgabe Februar/März 2011
Verantwortlicher Redakteur: Holger Manke (nachrichtendienst@lutheran.hu)
in Zusammenarbeit mit Bischof Dr. Tamás Fabiny und Dr. Klára Tarr-Cselovszky