CH: Schaffhausen: Kirche packt Strukturreform an

Kirchenratspräsident Frieder Tramer, Stein am Rhein

Die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Schaffhausen muss ihre Strukturen anpassen, damit mittelfristig wieder eine ausgeglichene Rechnung erreicht wird. Die Kirchgemeinden sollen sich nun bis 11. Mai vernehmen lassen. An einer ausserordentlichen Synode am 19. September 2012 werden darauf die Weichen für die Strukturreform gestellt, die ab 2015 greifen soll.

Im Sommer 2011 hat der Kirchenrat eine Strukturkommission aus Vertreterinnen und Vertretern von Kirchgemeinden verschiedener Grösse und von Mitarbeitenden zusammengerufen. Sie erarbeitete mehrere Reformansätze, die nun in die Vernehmlassung gehen. Da die Personalkosten knapp 80% der Ausgaben der Kantonalkirche ausmachen und beim Sachaufwand und den Beiträgen an andere Institutionen bereits Sparmassnahmen ergriffen worden sind, wurden vor allem die Stellenprozente der Gemeindepfarrämter sowie der kantonalkirchlichen Angestellten angeschaut. Der Kirchenrat beabsichtigt eine Pensenkürzung beim Kirchenrat selbst sowie bei den kantonalkirchlichen Aufgaben. Zusätzlich werden drei Ansätze für eine Kürzung der Gemeindepfarrämter zur Diskussion gestellt.

Gemeindepfarrämter kürzen

Der erste Ansatz geht von der bisherigen Stellenbemessung pro Einwohnerzahl für die Pfarrstellen aus, hebt aber die Begrenzung nach unten bei mindestens 50 Stellenprozenten auf. Gemeinden mit unter 300 reformierten Einwohnern müssen demnach mit höchstens 40 Pfarrstellenprozenten auskommen und müssen sich dadurch allenfalls eine Pfarrperson mit einer anderen Gemeinde teilen.

Der zweite Ansatz übergibt die Finanzierung der Pfarrstellen an die Kirchgemeinden. Auch so müssten zumindest kleinere Gemeinden eine Zusammenarbeit mit einer anderen Kirchgemeinde suchen. Hier stellt sich zudem die Frage, wie die Solidarität mit den finanzschwächeren Kirchgemeinden neu organisiert werden soll und ob dies über einen Sockelbeitrag pro Kirchgemeinde schon genügend geschieht.

Mit dem dritten Ansatz wird die bisherige Struktur der Kirchgemeinden zugunsten von Kirchgemeinderegionen aufgehoben, die mindestens die Grösse für eine volle Pfarrstelle hätten und demnach etwa 1‘400 reformierte Einwohner zählen würden. Hier wird die Frage gestellt, wie die Präsenz der Kirche vor Ort weiterhin gewährleistet werden kann.

Um das Gespräch unter den Kirchgemeinden zu ermöglichen, werden Anfang April zwei Ausspracheabende organisiert. „Kirchenrat und Strukturkommission sind davon überzeugt“, heisst es in der Einleitung zur Vernehmlassung, „dass auch eine kleiner werdende Kirche ihrem Auftrag kreativ, lebendig und verheissungsvoll nachkommen kann.“